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Geschichtliche Verankerung

Ein lebendiger Glaube

Vor 2000 Jahren wurde in einem entlegenen Winkel des Römischen Reiches Jesus Christus an einem Kreuz getötet. Er nannte sich oft Menschensohn und war gleichzeitig Gottessohn. Er sammelte einen kleinen Nachfolgerkreis derer, die sich seine Jünger nannten. Sie erlebten eine große Erschütterung, als ihr Meister, den sie als Messias erkannten, am Kreuz hingerichtet wurde.

Rembrandt Harmensz van Rijn, 
Christus, dem die kleinen Kinder
gebracht werden
(1647-1949)

Doch Jesus auferstand, erschien ihnen und wurde somit zum Grund ihres Glaubens. Er beauftragte seine Jünger, die Erde mit der Botschaft von der Errettung durch Ihn zu füllen. Diese Botschaft wurde Evangelium genannt. Jesus Christus selbst fuhr gen Himmel zu seinem Vater. Damit begann die größte geistliche Bewegung in der Geschichte der Menschheit. Trotz Verachtung seitens vieler Weltweisen und Verfolgung durch zahlreiche Herrscher hat die kleine Jüngerschar Christi durch die Predigt der ungewöhnlichen Botschaft von der Vergebung der Sünden und der Auferstehung durch Jesus Christus aufs stärkste die Entwicklung der menschlichen Zivilisation beeinflusst.

Der Glaube an diesen Jesus breitet sich heute in einem nie dagewesenen Ausmaß aus. Global gesehen zeigen die aktuellen Zahlen in Nordamerika und im Pazifischen Raum eine Stagnation, im „Christlichen Abendland" sogar einen Niedergang! Trotz ollem ist das Christentum heute eine globale Religion mit einer erstaunlichen Verschiebung des Schwerpunktes der Christenheit in die nichtwestliche Welt (Afrika, Asien und Lateinamerika). Menschlich gesehen ist die Entwicklung der Gemeinde Jesu und ihr jetziges Erscheinungsbild ein Phänomen. Der christliche Glaube ist in mehr Völkern verwurzelt als irgendeine andere Religion. Diese Lebendigkeit ist umso bemerkenswerter, da der christliche Glaube oftmals der Konkurrenz anderer Religionen und Ideologien (man denke an den Kommunismus) und dem heftigen Widerstand von Gebildeten und Politikern ausgesetzt war.

Rembrandt Harmensz van Rijn, 
Die drei Kreuze
(1653)

Zu den bemerkenswerten Zügen dieses Wachstums gehört die erstaunliche Fähigkeit des christlichen Glaubens, sich; periodisch zu erneuern. Historiker sind oft beeindruckt von der Lebendigkeit des Christen­tums und seiner anscheinend unerschöpflichen Fähigkeit, aus Zeiten des Wachstumsstillstandes oder des Verfalls erneuert hervorzugehen. Diese Erscheinung bildet in der Tat ein Hauptmerkmal der Kirchengeschichte.

Es entspricht dem Willen Gottes, dass Gemeinden wachsen. Ein weiterer Grund für das Wachstum liegt in dem Sendungsauftrag der Gemeinde. Gott ist der Urheber, Autor und die Autorität der Mission. Darum kann die Mission der Gemeinde nur in der Anteilnahme und Fortführung der Sendung Jesu liegen, die von Gott ausgeht. „Gehet hin, macht zu Jüngern alle Heidenvölker!" (Mt 28,20) Damit stehen oder fallen wir! Mit diesem Auftrag sendet uns Christus zu den Menschen an unserem jeweiligen Ort. Eine christliche Gemeinschaft, die sich Jesu Auftrag nicht stellt, ist nicht Gemeinde nach dem Neuen Testament. Eine Gemeinde hat also nicht zu entscheiden, ob sie Mission treiben will, sondern sie kann sich nur entschließen, ob sie Gemeinde sein will. Die neutestamentliche Gemeinde ist demnach eine sendungsorientierte Gemeinde.

Im Laufe der Kirchengeschichte konnte die Gemeinde auf wechselnde historische und kulturelle Situationen reagieren, ohne die wesentlichen Aussagen ihrer Botschaft zu verändern. So führten z.B. Verfolgungen zur Läuterung der Glaubenden, Irrlehren zur Klärung des Glaubens und intellektuelle Angriffe zur Überprüfung der Verkündigungspraxis und ihrer Schwerpunkte.

DAS APOSTOLISCHE 
GLAUBENSBEKENNTNIS
(APOSTOLICUM)


Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels
und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn,
unsern Herrn,

empfangen durch
den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,


gekreuzigt, gestorben und
begraben,

hinabgestiegen in das
Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden

von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden
und die Toten.

Ich glaube
an den Heiligen Geist,

die heilige christliche
Gemeinde [Kirche],

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.

Amen.

Auf die Frage, wie sich das Christentum letztendlich ausbreiten konnte, können wir nur antworten, dass Jesus seine Gemeinde baut, und keine anderen Mächte oder Kreaturen werden im Stande sein, sie zu besiegen (Mt 16,18). Nur der Glaube an den Auferstandenen erklärt, wie aus der kleinen und entmutigten Gruppe bei der Kreuzigung Jesu die Gemeinde wird, die alle Hindernisse auf dem Weg ihrer kühnen weltweiten Mission überwindet. Ohne den felsenfesten Glauben an den auferstandenen Christus, wie er u.a. im so genannten "Apostolischen Glaubensbekenntnis" formuliert ist, wäre das Christentum bedeutungslos geworden und der Vergessenheit anheim gefallen.

Der Anfang

Die frühe Geschichte der Christenheit ist einzigartig, weil sie die Fundamente für jeden späteren Ausdruck christlichen Glaubens legte. Auf dem Fundament der Apostel und Propheten des Neuen Testaments wird die christliche Gemeinde aller Zeiten aufgebaut (Eph 2,20). Nur so bleibt sie „eine heilige, weltumspannende und apostolische Kirche" (Bekenntnis von Nicäa). Leben und Wachsen der ersten Gemeinde wurden Grundlage aller künftigen Entwicklung. Lehre und Praxis der Apostel wurden Maßstab für alle spätere Lehre und Praxis.

Die ersten Christen sahen sich als Gottes Volk und als Erben der Verheißungen des Alten Testaments. Ihre Botschaft hieß „Evangelium" („Frohe Botschaft" oder „Siegesbotschaft"). Der Mittelpunkt ihres Lebens war Jesus Christus. Sie waren Zeugen für Jesus, und Zeugen treten nicht in eigener Sache auf. Was glaubten die ersten Christen? Das Alte Testament war die Bibel der Urgemeinde. Durch Jesus Christus und die Apostel und Propheten des Neuen Bundes erhielten sie das inspirierte Wort des Neuen Testaments, das Evangelium. Die Gläubigen lebten, geprägt von der Tatsache, dass Jesus gestorben und auferstanden ist. Er war der Mittelpunkt ihres Lebens.

Zurück zum Neuen Testament

Wir überspringen mehrere Jahrhunderte und setzen in der Frühen Neuzeit (16. und 17. Jahrhundert) an. Immer lauter ertönte Im späten Mittelalter der Ruf noch einer Reform der Kirche, die in vielen Hinsichten von der Lehre der Heiligen Schrift abgewichen war. Hierzu gehörte die unbiblische Praxis der automatisch und unabhängig vom Glauben Heil spendenden Sakramente, das Anrufen der Mutter Gottes und der Heiligen, der Reliquienkult und die geistliche und weltliche Macht des hierarchisch geordneten Klerus (Priester, Bischöfe, Patriarchen und der Papst). Messen wurden in für die Meisten unverständlichem Latein gehalten und Kenntnis der Bibel war unter dem einfachen Volk kaum vorhanden.

Und doch gab es in diesem Rahmen auch geistliches Leben und sogar Erweckungen, die erneuernd wirkten. Zu denen, die das in vielen Hinsichten gefallene Christentum zu erneuern versuchten, gehörten Petrus Waldus (gestorben 1198) in Norditalien und Südfrankreich, John Wyclif (gestorben 1382) in England sowie Jan Hus (gestorben 1415) in Böhmen (Tschechien). Jeder von ihnen hatte beim Lesen der Bibel erkannt, dass die wahre Seligkeit und Geisteskraft aus der Heiligen Schrift gespeist werden muss und das christliche Leben und der Dienst ihr entsprechen sollen. Aber allzu oft führten ihre Versuche zum Konflikt mit der herrschenden Kirchenhierarchie und der Staatsgewalt. Deshalb wurden die Erweckten und ganze Bewegungen aus der Staatskirche ausgestoßen. Beispiele dazu sind die Bogomilen in Südosteuropa, die Albigenser in Südfrankreich, die Waldenser in Norditalien, die Anhänger Wyclifs in England und die Hussiten in Böhmen.

Vogel Hugo, 
Luthers Thesenanschlag an
der Schlosskirche

zu Wittenberg am 31.10.1517
(Zeichnung Ende 19. Jh)

Das Jahrhundert der Reformation (16. Jahrhundert) ist sodann eine Zeit des Umbruchs. In diesem Umformungsprozess zwischen Mittelalter und Neuzeit ist Martin Luther eine Schlüsselfigur. Die Neuentdeckung des Evangeliums öffnet ihm das Tor zur „Freiheit eines Christenmenschen". Diese Erkenntnis, die ihm im Arbeitszimmer des Augustinerklosters von Wittenberg gekommen ist, nennen wir heute das „Turmerlebnis".

Die Stelle aus Römer 1,17 wird ihm zum Schlüssel für die reformatorische Erkenntnis: Gottes Gerechtigkeit ist nichts anderes als seine Barmherzigkeit. Gottes Wort erklärt uns nicht nur zu Sündern, sondern spricht uns gleichzeitig durch das Evangelium gerecht, und das ohne Bedingung! Martin Luther wurde mit höchster Freude erfüllt. Jetzt konnte er den Widerspruch lösen: Der gerechte Gott ist in Christus auch der barmherzige Gott. Alles ist Gottes Geschenk und Gabe. An die Stelle der Rechtsordnung tritt die Gnadenordnung. Damit fand er den einzigen und persönlichen Zugang zu Jesus, dem Herrn der Welt. Er richtete ein unumstößliches Fundament auf: Christus, der den Gottlosen aus Gnade gerecht macht! Drei Solo („allein") formulierte Luther: (1) allein durch die Gnade (sola gratia) rettet Gott, (2) allein durch den Glauben (sola fide) finde ich eine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt und (3) allein die Schrift (sola scriptura) soll in Glaubensbedingungen gelten und keine menschlichen Traditionen. Jesus Christus hat alles für uns getan. Wir können uns der Gnade Gottes gewiss sein. Diese Erkenntnis stand hinter dem Thesenanschlag Luthers von 1517.

Die Wurzeln

Die frühste Gestalt des Täufertums erwuchs aus der Reformation in Zürich. Unter der Leitung von Ulrich Zwingli wurde ein geistlicher und politischer Lernprozess in Gang gesetzt, der zur offiziellen Einführung der Reformation durch den Rat der Stadt führte. Zwingli war ursprünglich ein papsttreuer römischkatholischer Priester. Die Hinwendung zur Reformation begann, indem er ein gründliches Bibelstudium betrieb sowie Schriften und biblische Kommentare von Luther und andere geistliche Literatur las. Die Wende zu einer eigenständigen reformatorischen Theologie vollzog sich bis 1522. Unter der Gefolgschaft Zwinglis waren auch Männer wie Konrad Grebel und Felix Manz, die sich später Täufer nannten.

Glaube und Werke

Glaube ist das Mittel oder

das Instrument, durch das
ein Mensch gerettet wird.
Christen werden vor Gott
durch den Glauben
gerechtfertigt, „...weil
wir erkannt haben, dass
der Mensch nicht aus Werken
des Gesetzes gerechtfertigt
wird, sondern durch den
Glauben an Jesus Christus."
(Gal 2,16; siehe auch
Rom 3,26 und Rom 4,1-5).

Christlicher Glaube
bedeutet, Vertrauen in den
ewigen Gott und seine V
erheißungen zu haben,
die durch Jesus Christus
garantiert sind.
Zum Glauben wird gerufen
durch das Evangelium,
wenn das Evangelium durch
das gnädige Wirken des
Heiligen Geistes
verständlich gemacht wird.
Christlicher Glaube ist
ein persönlicher Akt,
an dem Verstand, Herz und
Wille beteiligt sind.
Gewöhnlich werden beim
Glauben drei Schritte
unterschieden. Zuerst
steht das Wissen bzw.
die Kenntnis des Inhaltes
des Evangeliums; als
Zweites folgt die
Zustimmung bzw. das
Anerkennen des Evangelium
als wahr; und dass Dritte
ist das Vertrauen, der
entscheidende Schritt,
sich selbst Gott
anzuvertrauen.

Durch den Glauben empfangen
wir Christus, der dem
Gesetz für uns Genüge getan
hat. Wir sind demzufolge
gerecht gemacht allein
durch den Glauben, ohne
die Werke, die das Gesetz
verlangt. Da aber der
Glaube uns vereinigt,
kann er nicht ohne
Auswirkungen auf das
Leben bleiben. Auf Gott
ausgerichtet und in ihm
ruhend ist der Glaube aktiv,
„durch Liebe wirksam"
(Gal 5,6) und danach
trachtend, all die „guten
Werke" zu tun, „welche Gott
zuvor bereitet hat"
(Eph 2,10). Rechtfertigung
geschieht durch den Glauben
allein, aber rechtfertigender
Glaube kann nie in sich
selbst ruhen.

Diesen Täufern ging es um nichts anderes als um ein wahres christliches Leben nach der Lehre und dem Vorbild Christi. Im Unterschied zu Luther und Zwingli hielten diese Täufer kompromisslos an dem Ziel fest, Leben und Gemeindeleben konsequent an den Vorgaben des Neuen Testaments auszurichten, auch wenn das einen radikalen Bruch mit fünfzehnhundert Jahren Geschichte und Kultur beinhaltete. Die Täufer waren die „Alles-oder-nichts-Partei" der Reformation.

Das Täufertum der Reformationszeit lässt sich in vier verschiedene Richtungen aufgliedern: die Schweizer Brüder, die Hutterischen Brüder in Mähren, die Melchioriten (Täuferreich in Münster) und die Mennoniten. Dazu kommen spiritualistische und apokalyptische Prediger, die sich mehr oder weniger mit täuferischen Anliegen identifizierten.

Einen wertvollen Beitrag lieferte auch Gottfried Seebaß mit seiner Festschrift „Die Reformation und ihre Außenseiter". Seine Arbeit trug wesentlich dazu bei, dass das Bild des „Linken Flügels" der Reformation wesentlich differenziert werden konnte. Eine Typisierung von zwei Grundtypen von Täufern scheint sachgemäß: a) ein mehr mystisch-apokalyptisches Täufertum, geprägt von Müntzer, Hut, Denck und anderen Persönlichkeiten sowie b) ein stark ekklesiologisch bestimmtes Täufertum, vertreten von den Schweizer Täufern, Hubmaier und anderen. Innerhalb beider Gruppen gab es sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten.

Die Christen täuferischen Ursprungs bezeichnen sich gerne als die älteste protestantische Freikirche. Doch waren sie lange Zeit hindurch „Stiefkinder der Forschung" gewesen, deren Geschichte, von wenigen Ausnahmen abgesehen, von Gegnern geschrieben wurde. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts werden die Täufer oft als „linker Flügel der Reformation tituliert, mit selbst ständigen Wurzeln und einer eigenen theologischen Entwicklung. Hauptgründe für die Entstehung des Täufertums waren die reformbedürftige Kirche Roms und die Suche nach einem konsequenteren Christen- und Gemeindeleben, als es sich in der reformierten Kirche fand. Der mennonitische Gelehrte und Vater der amerikanischen Täuferforschung, Harold S. Bender, fasst das Leitbild der Täufer in drei Kernpunkte: (1) Ein neues Verständnis vom Wesen des Christentums als Nachfolge; (2) eine neue Konzeption von der Gemeinde als Bruderschaft der Gläubigen und (3) eine neue Ethik der Liebe und Wehrlosigkeit. Aber auch der Bibelfaktor, der Einsatz für Gemeindebau nach dem Neuen Testament sowie die Bemühungen um einen reformierten Gottesdienst und eine fundierte theologische Begründung für die Gläubigentaufe spielten eine wichtige Rolle.

Der 21. Januar 1525 gilt als die Geburtsstunde der Täuferbewegung und der ältesten Freikirche im Protestantismus. Was hier entsteht, ist eine Freikirche im doppelten Sinne: 1. frei vom Staat, aber nicht antistaatlich, 2. frei im Sinne von freiwillig. Die Zürcher Täufer fordern als erste Religionsfreiheit. Fritz Blanke (Brüder in Christo) unterscheidet hier drei Klassen von Evangelischgewordenen. Die einen waren die bloßen Antikatholiken, also negative Protestanten. Die anderen waren die libertinistischen Protestanten, die im Evangelium lediglich einen Freibrief sahen, um sündhaft freizügig zu leben. Die dritte Gruppe waren die, die mit dem Wort Gottes arbeiteten, das heißt die evangelischen Pfarrer sowie ein Kreis von Menschen, die die frohe Botschaft wirklich verstanden und vertraten.

Im schweizerisch-süddeutschen Bereich entstand durch Michael Sattler eine pazifistische Bewegung. Schon 1527 wurden unter der Leitung von Sattler sieben Artikel festgelegt, die heute noch verbindlich für uns als Täufergemeinde gelten. Anlass für die Synode waren täuferische Entgleisungen. Die jungen Gemeinden wollten sich gegen solche Schwärmereien abgrenzen. Die Schleitheimer Artikel enthielten nur solche Lehrpunkte, in denen die Täufer von der Reformation abwichen (andere grundlegende Überzeugungen teilen sie mit der Reformation): Die Taufe wird nur an Glaubenden nach Buße und Bekehrung vollzogen, die Kindertaufe wird abgelehnt (Mt 28,19; Mk 16,16; Apg 2,38; 8,36f; 16,31.33; 19,4f).

  • Der Bann (Gemeindeausschluss) wird an denen vollzogen, die unbußfertig in Sünde leben (Mt 18,15 ff.). Die Täufer betonen die Heiligung, sind aber keine Perfektionisten.
  • Brotbrechen: Getaufte Gemeindeglieder feiern das Abendmahl als Gedächtnismahl (1Kor 11‚24.25).
  • Absonderung: Der Gläubige hat sich von der "Weit", d.h. von sündigen Verhaltensmustern der nicht-christlichen Umgebung, fern zu halten (Joh 17,16; Jak 1,27; 1Joh 2,16; 4,4).
  •  Die Hirten der Gemeinden werden von ihnen versorgt, stehen aber auch aufsichtsmäßig unter der Leitung der Gesamtgemeinde (1Tim 3,7; 1Kor 9,14).
  • Das Schwert ist Sache der Obrigkeit. Christen dürfen nicht ein Staatsamt begehren oder Dienst an der Waffe tun (Mt 11‚29).
  • Abgelehnt wird auch das Schwören mit einem Eid (Mt 5,34).

Diese Glaubensartikel und die Überzeugung, dass die Heilige Schrift die oberste Autorität ist, waren und sind für die „Brüder in Christo" absolut. In ihrer Lebensführung wollten die Täufer allein Gott dienen. Der persönliche Glaube und die Teilnahme am Leben der Gemeinde beruhen auf absoluter Freiwilligkeit. Fundament des Glaubens ist einzig und allein die Botschaft von Jesus Christus.

Eine bedeutende und prägende Persönlichkeit der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts war Menno Simons, von dem sich die Mennoniten ableiten. Seine friedfertige Ausrichtung hat das Mennonitentum am nachhaltigsten geprägt. Menno Simons (1496-1561) wurde in Witmarsum im niederländischen Friesland geboren. 1536 trat er, ehemals Priester, aus der römisch-katholischen Kirche aus und ließ sich taufen. Er war der Verfasser von mehreren Schriften. Seine Aufgabe bestand im unermüdlichen Predigt- und Lehrdienst. Er stärkte und sammelte die verfolgten Gemeinden. Menno nahm Abstand von aller Gewalt, grundsätzlich und ohne Ausnahme (was insbesondere nach den Exzessen vermeintlicher „Täufer" in Münster von großer Bedeutung war).

Luyken Jan, 
Hinrichtung der Anneken Hendriks
auf dem Scheiterhaufen,
1571 in Amsterdam,
Kupferstich aus dem 17. Jh

Wegen staatlicher Repressionen wichen die niederländischen Mennoniten nach Holstein, Hamburg, West- und Ostpreußen, sowie ins Weichsel- und Memelgebiet aus. In der zweiten Hälfte des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wanderten viele west- und ostpreußischen Mennoniten nach Russland aus, besonders in die Ukraine, um Kolonien aufzubauen und um zu helfen, das Land zu erschließen. In Russland entwickelten sich enge und befruchtende Beziehungen zu den Baptisten. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen Johann Gerhard Oncken, der Gründer des deutschen Baptismus, und die Mennoniten in Kontakt. Durch baptistische Literatur, Korrespondenz mit den deutschen Baptisten, persönliche Kontakte und Besuche sowie durch das theologische Seminar in Hamburg übte der deutsche Baptismus einen starken Einfluss auf die Mennoniten-Brüdergemeinden aus. Dieser Einfluss von außen führte zu einem starken Missionsbewusstsein. Aus der großen Erweckung in Russland ging Mitte des 19. Jahrhunderts die Mennoniten-Brüdergemeinde hervor.

Die Begegnungen hatten Auswirkungen auf ihre Theologie und ihr Gemeindeverständnis (Taufe, Abendmahl, Gemeindemitgliedschaft, Gemeindeorganisation, missionarisches Bewusstsein, Glaubensbekenntnis).

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